ciao, zio.

tschüss onkel manuel. zweiundfünfzig bist du geworden. meine mutter weint seit gestern und wiederholt: „das kann nicht wahr sein…“. ich bin mir nicht sicher, ob du ein schönes leben hattest, ich weiß nicht, wie die welt für dich aussah. als kind sind wir zusammen auf deiner vespa gefahren, ich stand zwischen deinen beinen und durfte auch schon mal lenken, wenn wir aus dolianova raus waren und in die campania fuhren.
„die welt ist scheiße!“. du konntest nicht mehr viel deutsch, aus deiner zeit in basel, aber das die welt scheiße war, das konntest du einem siebenjährigen noch erklären. ich glaube in dir waren alle gegen dich. später dann die ärzte. trotzdem warst du im dorf sehr beliebt: „ou, emanuele!“, überall, jeder kannte dich. du hast die hände vom lenker genommen und verknautscht grunzend zurückgewunken.
dass dich jeder kannte, musste nicht immer etwas gutes sein: wir fuhren in unserem opel omega oft an einer bestimmten tankstelle, richtung serdiana, vorbei. jedes mal hast du dich in den fußraum geduckt, um nicht gesehen zu werden.
später, als teenager, habe ich mich vor dir geekelt. du hast gespuckt wann und wo du wolltest, du hattest keine kontrolle über deinen körper. woran das lag weiß ich nicht, mir wurde oft vom alkohol erzählt, von problemen die du hattest. heute schäm ich mich dafür, dass ich im auto nicht neben dir sitzen wollte.

ich habe dich nur mit einer frau gesehen: nizza, der marokkanerin, die du geheiratet hast. sie hat dir ein wunderschönes kind geschenkt. sara. sara hast du nach der ehe nur noch einmal im monat gesehen. aber ich habe die liebe und wärme, die du für deine tochter, und nur für deine tochter, in dir hattest immer bewundert.
ich mag mir nicht vorstellen, wie sie sich heute morgen fühlt.

das gleiche gilt für deine mutter, pasqua, den vielleicht reinsten und nettesten menschen der erde. meine mutter, deine liebe cousine (ich weiß, das ist in unserer familie alles kompliziert: garau, tatti, frongia, da blickt keiner mehr durch), sagt jetzt oft: „zia pasqua hat jetzt ihre aufgabe im leben verloren. sie war nur für manuel da.“. sie macht sich große sorgen um deine mama.

zweiundfünfzig. zucker. du wolltest keine tabletten mehr nehmen, „scheißegal!“. du hattest prinzipien. die falschen, aber du hattest prinzipien: „die welt ist scheiße.“

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